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Mit innerer Stärke Krisen in Chancen umwandeln "Tobias Hesse" Interview-Reihe zum Thema Resilienz

Tobias Hesse Sporttrainer Sportpsychologe und Ernährungsberater. Foto Andreas KammermeierWelche Rolle körperliche Beweglichkeit neben der psychischen Abwehrkraft spielt, berichtet der Sporttrainer, Sportpsychologe und Ernährungsberater Tobias Hesse im 4. Interview unserer Reihe über das Thema Resilienz (psychische Abwehrkraft) mit Regina Nußbaum.

Regina Nußbaum: „Welche Bedeutung hat für Sie Resilienz in Ihren beruflichen Umfeld?“

Tobias Hesse: „Ich verstehe einen gesunden Menschen als einen belastbaren Menschen. Damit meine ich nicht nur eine psychophysische Widerstandskraft, sondern auch die Fähigkeit, auf einem möglichst breiten Bewegungsspektrum Anpassungsfähigkeit zu zeigen. Nehmen wir beispielsweise den Begriff Fitness. Viele von uns würden einen Marathonläufer als fit bezeichnen. Meiner Auffassung nach, muss ein fitter Mensch jedoch vielerlei Fertigkeiten besitzen, um auch als resilient zu gelten. So arbeite ich in meinem beruflichen Umfeld daran, meine Klienten zu motivieren, zum Generalisten zu werden. Diese Generalisten können laufen, sind kraftfähig und mobil zugleich, jonglieren und können an Seilen klettern. Eben ein „jack of all trades“. Diese Form von Fitness verstärkt die Resilienz, denn sie fordert und fördert unterschiedliche Bereiche von Körper und Geist.“

Regina Nußbaum: „Wie sieht für Sie eine resiliente Lebenshaltung als Sportler aus und welche Rolle spielt dabei der Humor?“

Tobias Hesse: „Nicht nur Sportler neigen dazu, sich heutzutage immer früher und extremer zu spezialisieren. Das hat allerdings häufig seinen Preis. Um die Lebenserhaltung und Lebensqualität als Sportler zu erhöhen, ist es notwendig eine Balance zwischen den eigenen Disziplinen und anderen, eher ungewohnten Bewegungsabläufen zu erschaffen. So kann man auch Erfahrung sammeln mit Disziplinen und Bewegungen, die weniger mit der eigenen Sportart zu tun haben. Oftmals heißt das zunächst, das Ego in die Schublade zu schieben und neue Bewegungsspektren und deren Möglichkeiten kennenzulernen. Ich denke da beispielsweise an einen Turner, der Ballsportarten ausübt oder an den olympischen Gewichtheber, der Tai Chi praktiziert. Aller Anfang ist schwer und hier hilft es ganz sicher, humorvoll zu sein und sich selber eben nicht zu ernst zu nehmen.“

Regina Nußbaum: „Gibt es für Sie einen Zusammenhang zwischen Resilienz und der Karriere als Sportler?“

Tobias Hesse: „Ich möchte mit dem bereits Gesagten kein zu einfaches Bild erschaffen. Nehmen wir nun den Zusammenhang zwischen Resilienz und der sportlichen Karriere. Im Vorherigen habe ich von einer Bewegungs-Generalisierung gesprochen, welche die Karriere als Sportler verlängern kann. Es gibt zweifelsohne weitere Faktoren, die eine wesentliche Rolle spielen: Dazu gehören einerseits auch ein unterstützendes soziales Umfeld, eine ausgewogene Ernährung sowie die Optimierung psychischer Prozesse vor einem Wettkampf. Andererseits ist aber auch der reflektierte Umgang mit Rückschlägen unerlässlich. Wer aus Fehlern lernt oder von Verletzungspausen verbessert zurückfindet, zeigt echte Resilienz.“

Regina Nußbaum: „Wie würden Sie heutzutage ein erfolgreiches Leben definieren?“

Tobias Hesse: „Es ist schwierig, eine allgemeingültige Definition zu formulieren, die uns Allen gerecht wird. Ich lese viel über Glück und Zufriedenheit in diesem Zusammenhang. Für mich spielt aber die Verantwortung eine große Rolle, um unserem Leben wirkliche Bedeutung zu geben. Wenn wir mehr Verantwortung übernehmen, wird uns klarer, was wir alles leisten können und was wir wirklich in der Hand haben. Eine Familie zu gründen, die Obhut über Klienten, die Lehre von Schülern bedeutet viel Verantwortung, kann uns aber unfassbar viel wiedergeben. Im Zusammenhang mit Rückschlägen hilft es, sich darüber Gedanken zu machen, welchen Einfluss man selbst auf die jeweilige Situation hatte, wofür man dann Verantwortung übernehmen kann, um nicht nur einen Rückschlag zu beklagen, sondern auch aus dieser Situation zu lernen. Hinsichtlich eines erfolgreichen Lebens blicke ich zu meinen Eltern auf. Diese konnten die Familie und Partnerschaft mit dem Beruf verbinden. Dabei war immer Zeit zu reisen, neue Erfahrungen zu machen und an eigenen Projekten zu arbeiten. Ansonsten fragen Sie mich besser in 30 Jahren nochmal, wie ich ein erfolgreiches Leben dann definieren würde.“

Regina Nußbaum: „Halten Sie es für sinnvoll, Resilienz als Unterrichtsfach einzuführen?“

Tobias Hesse: „Als gesondertes Unterrichtsfach fände ich es interessant. Aus meiner Perspektive kann die Resilienz geschult werden, indem die Bedeutung vielerlei Fächer und Themen für die Schüler klarer gemacht wird. Für mich gibt die Schule oft ein Bild von zusammenhanglosen Informationen ab. Durch mehr interdisziplinäre Projektarbeit in den Schulen kann diesem entgegengewirkt werden. Lernen die Schüler hier problemorientierte Lösungen für alltagsnahe Aufgaben zu finden, können sie mit der ganzen Informationsvielfalt mehr anfangen und zugleich selbständiger und resilienter leben.“

Regina Nußbaum: „Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach Resilienz für unsere Zukunft?“

Tobias Hesse: „Ich denke, dass es immer wichtiger wird, Herausforderungen und Aufgaben gerade physischer Natur zu schaffen, um auch in Zukunft eine Balance zwischen Körper und Geist aufrecht zu erhalten. Mit den Entwicklungen der Zukunft wird es immer einfacher und bequemer, unsere Grundbedürfnisse zu erfüllen. Lenkt man den Blick auf unser Gesundheitssystem wird klar, dass viele der großen Problematiken heutzutage Lifestyle bedingt sind. Vor allem die Kombination aus Bewegungsmangel und allseits präsenten Kalorienbomben. Um einen gesunden, resilienten Körper beizubehalten, muss dieser eben auch Aufgaben haben. Wichtig ist hier die Regelmäßigkeit oder Konstanz. Sport und Bewegungsformen zu finden, die uns interessieren und Spaß machen, erscheint mir interessanter als die Debatten über das optimale Fitnessprogramm.“

Regina Nußbaum: „Wie sieht Ihre persönliche Resilienz-Rezeptur aus?“

Tobias Hesse: „Puh, also an der idealen Rezeptur arbeite ich nach wie vor. Ein paar Grundzutaten: Viel Zeit mit der Familie und Freunden verbringen, regelmäßiges Training und Bewegung, ausreichend Schlaf, wenig Fertiggerichte beziehungsweise verarbeitete Nahrungsmittel, eine meditative Praxis und ganz wichtig: Spaß haben und viel lachen.“

Regina Nußbaum: „Vielen Dank für das Gespräch!“

Zur Person: Tobias Hesse studierte Sportwissenschaften sowie Sport- und Trainingspsychologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Seine Liebe gilt dem Sport und allem, was mit Bewegung zu tun hat. Schon früh war ihm klar, dass er in seiner Profession mit Menschen arbeiten will. Sein Studium an der Sporthochschule Köln, Weiterbildungen in den verschiedensten Trainingsmethoden, Bewegungs- und Aktivitätsfeldern sowie der ständige Kontakt und Austausch mit Trainern, Wissenschaftlern und Therapeuten lassen ihn in Bewegung bleiben und seine Arbeit und Bildung nicht als beendet ansehen.

Die breite sportliche Erfahrung und reges Interesse an der Psychologie erlauben ihm mit den verschiedensten Individuen und Gruppen zusammen zu arbeiten. Hierbei strebt er nach einem ganzheitlichen Ansatz und zielt darauf ab, Menschen zu lehren sich in Bewegung zu halten sowie ihrem Körper und Geist mündig zu werden. Dabei nutzt er das Wissen und Ansätze verschiedenster Themenfelder: vom klassischen Kraft- und Mobilisationstraining bis zur angewandten Neurologie, Meditations- und Atemtechniken und vielem mehr.

Tobias Hesse, Sporttrainer, Sportpsychologe und Ernährungsberater.

Foto: Andreas Kammermeier; IG: @kamerameier

Buchtipps:

- Christina Berndt: Resilienz. Das Geheimnis psychischer Widerstandskraft. dtv Verlag
- Matthew Johnstone: Resilienz, Wie man Krisrn übersteht und daran wächst. Verlag Antje Kunstmann
- Dr. med. Mirriam Prieß: Resilienz. Das Geheimnis innerer Stärke. südwest Verlag

Weitere Infos: www.clubofhope.de

Regina Nußbaum sucht weitere Interview-Partner zum Thema Resilienz. Bei Interesse melden Sie sich bitte per Mail unter info@clubofhope.de.

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