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Interview Jojo Darski

Jojo Darski„Für mich ist der fließende Übergang zwischen Kunst, Musik und Design eine Quelle der Inspiration. Es ist faszinierend, gleiche Umstände auf völlig verschiedene Art und Weise zu sehen und auszudrücken, verschiedene Blickwinkel einzunehmen.“

Der Wuppertaler Künstler Jojo Darki präsentiert in der Zeit vom 05. Septemberbis zum 03. Oktober Werke seines vielfältigen Schaffens in der Galerie-Graf-Adolf. Unter dem Titel: „Neue Rahmenbedingungen – lebendige Formenin leuchtenden Farben und erstaunlichen Zuständen“ werden Acrylgemälde,Tusche-Acryl-Mischtechniken & Fotografische Werke ausgestellt. Durch langjähriges kontinuierliches Schaffen entwickelte und verfeinerte Darski seine eigenwillige „Organistische Kunst“. Es ist eine Gute Mischung, die sich durch Qualität und Originalität auszeichnet. So wie der Mensch selbst. Wir hatten Gelegenheit den Vollblutkünstler zu treffen und mit ihm ein anregendes Gespräch über seine Kunst, Musik und die Vorteile der Kombination zu führen.

Hallo lieber Jojo. Durch deine Begeisterung für die Comiczeichnungen und Tierkarikaturen deines Kunstlehrers hast du begonnen selbst zu malen und zu zeichnen. Damals warst du elf Jahre alt. So begann deine Laufbahn?

Ja. Ich amte meinen Lehrer natürlich erst einmal begeistert zeichnerisch nach. Ebenso war ich fasziniert von den fremden Welten eines Moebius oder SalvadorDalì. Um erst einmal richtig Zeichnen zu lernen, wechselte ich dann 1983 auf die FOS für Gestaltung. Ich lernte bei Kurt Luhn die Prinzipien der Gestaltung und arbeitete parallel dazu ein halbes Jahr bei einem Architekten als Freihandzeichner.

Danach hast du an der Bergischen Universität GHS, Wuppertal Design studiert. Hast hier u.a. bei Michael Badura und Charles Compère auf vielfältige Art das Handwerk und das Bewusstsein für die künstlerische und fotografische Arbeit erlernt, verfeinert und ausprobiert. Wie ging es danach weiter?

Ich startete nach meinem Studium erst einmal als Mediengrafiker bei den TV Nachrichten. Dabei war ich nicht sehr begeistert von dem schnellen Tagesgeschäft. Mitte der 90er Jahre folgten die ersten Ausstellungen. Da entschied ich mich für die Freiberuflichkeit. So konnte ich mich auch weiterhin der Kunst und der Musik widmen. Musik ist ein gutes Stichwort. Unter dem Namen „Darski“ bist du in einer Bandaktiv. Ihr habt kürzlich eine Maxi CD mit vier Titeln von euch veröffentlicht. Ein komplettes Album kommt wahrscheinlich im nächsten Jahr auf den Markt. Welche Rolle spielt die Musik in deinem Leben? Musik – wenn sie mich persönlich trifft – bedeutet Inspiration, Spannung und Entspannung zugleich. Es fing eigentlich harmlos an: Mit 14 fand ich eine Gitarre auf dem Sperrmüll. Fortan übte ich mit verschiedenen Bands in Garagen und Kellern. Wir hatten erste Auftritte und ich gewann– inzwischen endlich auch als Sänger - sogar den Rockförderpreis NRW 1989. Ich habe später mit verschiedensten Musikstilen experimentiert: Punk, Gitarren-Pop, Wave, Hardrock, Funk & Grunge.

Und doch hast du deinen Stil gefunden. Wie kam es überhaupt zu der Band„Darski“?

Im Rahmen der verschiedenen Band- & Studio-Projekte stieß ich immer wieder auf Gerd Klein. Mit ihm nahm ich auch 1996 eine gemeinsame CD bei Rüdiger Braune (Extrabreit), mit meinen eigenen Titeln auf. Dieses Projekt lag mir damals sehr am Herzen, doch der gewünschte Erfolg stellte sich nicht ein. Das hat mich so sehr getroffen, dass ich erst einmal musikalisch pausierte. Vor etwa einem Jahr wurden wir dann durch einen unserer ehemaligen Produzenten reaktiviert und nahmen im hohen Norden die aktuelle Maxi-CD auf. Musik ist also ein wichtiger Bestandteil deines Lebens. Wo sind da Berührungspunkte mit der bildenden Kunst? Einzelne Noten fügen sich - ähnlich wie einzelne Farben - zu Harmonien, Kontrasten und Dissonanzen zusammen. Sie erzeugen so Gefühle, Assoziationen und somit automatisch unsere jeweils eigenen Bilder im Kopf. Noch stärker berühren sich Kunst und Musik durch Begriffe. Reine Instrumental-Musik oder Bilder ohne Titel sprechen nur eine Hirnhälfte an. Erst durch die passenden Worte, gewissermaßen den Code, wird es ganzheitlich und gleichzeitig auch weitaus persönlicher. Eine weitere Parallele sehe ich im Spiel mit der Räumlichkeit– und da nutzen wir ja schon im normalen Sprachgebrauch plastische Begriffe wie: Klangraum, Farbraum, Surround-Sound, Bildtiefe, Licht undSchatten, Luftperspektive...

Was ist anders oder bereichernd an den jeweiligen Ausdrucksformen?

Jede Ausdrucksform hat ihre jeweilig eigenen Vorteile: Musik bedeutet für mich emotionales Loslassen und authentische Ehrlichkeit. Sie kann Wut und auch Zufriedenheit widerspiegeln. Musik macht mehr Spaß im eingespielten Team. Alleine läuft mehr im Kopf ab…Auftragskunst – in meinem Falle Corporate Design - verlangt, sich in Andere hineinzuversetzen. Design folgt klaren Regeln, ist wiedererkennbar, plakativ, reduziert und planbar. Design ist Logik gepaart mit Ästhetik. Freie Kunst kann Geschichten erzählen wie ein guter Song, sie kann sich auf wenige Formen und Farben reduzieren wie Design oder üppig wuchern wie die eigenwilligen Strukturen in manchen meiner Fotoarbeiten oder Tuschegrafiken. Wir kommen zurück zu deinem malerischen Werk.

Du bezeichnest deine Arbeit als „Organistische Kunst“ . Was versteht man darunter?

Organistik meint zum Einen den Begriff „organisch gewachsene Strukturen“ -wie Baumwurzeln, Farne, Spinnenbeine oder einfach nur die Windungen des Schicksals. Laut Lexikon bedeutet Organistik zwar eigentlich Orgelmusiklehre. Aber auch hier sind wir dann wieder bei den Themen Harmonie, Farbraum…„Organische Lebensform“ bedeutet, dass etwas zwar als lebendig eingestuft wird, aber noch nicht näher klassifiziert werden kann. Ich benutze in meinen Arbeiten genau diese scheinbar organisch gewachsenen Strukturen, um die Formwesen manchmal fast wie lebendig erscheinen zu lassen. Ich nutze diesen Begriff gerne, da er so zumindest schon einmal verbal eine Unterscheidung zum Surrealismus, zum Realismus oder zur Fantastischen Kunst erlaubt.

Du machst sowohl gegenständliche als auch abstrakte Kunst. Wo liegt Dein Schwerpunkt?

Eigentlich ist es ja genau die Mischung, die ich mag: das gegenständlich abstrakte. Auf den ersten Blick erscheinen die Motive in meinen Bildern ja gegenständlich – allerdings nahezu ohne gerade Linien oder Symbole. Die Formen kommunizieren dabei durch Ihre Positionen, Verhältnisse und Ausrichtungen miteinander und zu uns. Und das wirkt wieder abstrakt. Erst wenn wir beide Hirnhälften aktivieren, scheint es wieder fassbarer und wir machen uns wirklich auf die Suche nach versteckten Details in den Formen, Strukturen und Titeln.

Deine Themen beinhalten das Zeitgeschehen aus wertfreier Außenansicht, um Menschen anzustoßen, eingelaufene Pfade zu verlassen oder andere, die dies tun, es auch zu lassen. Wie verwirklichst du das? Was sind deine Motive?

Ich möchte Menschen durch neue Blickwinkel auf die faszinierenden Detailsim Alltag hinweisen und sie anregen, Erlebtes neu zu bewerten und Gesehenes neu zu entdecken. Und das zeige ich in meinen gegenständlich-abstrakten, zweieinhalb-dimensionalen, amorphen Welten: darin leben eigenwillige und miteinander verstrickte Formwesen in kraftvollen Farben, die miteinander und auch mit uns zu kommunizieren scheinen. Dies tun sie über ihre Haltung, über codierte Strukturen in den Oberflächen dieser Wesen und letztlich natürlich auch über die meist metaphorischen Titel und Untertitel.

Die Kommunikation spielt eine große Rolle in deinem Schaffen. So sagst du:„Kunst lebt in erster Linie vom Dialog zwischen der Kunst und dem Betrachter“. Wie erlebst du diesen Austausch?

Naturgemäß kann es keine spontane Rückwirkung wie bei einem Live-Auftritt geben. Denn wenn eine Bildserie bereits fertig gestellt und betitelt ist, ist dieser Blickwinkel für mich in der Regel bereits abgeschlossen und ich arbeite zumindest schon gedanklich wieder am nächsten Projekt. Aber für eben diese Folgeprojekte ist ein Gedankenaustausch mit Interessierten oft sehr inspirierend und informativ: so bin ich immer wieder fasziniert davon, wie viel Platz an Interpretation in den Bildern bleibt, auch wenn bereits alles gesagt zu sein scheint. Ich lerne gern und viel über Menschen - über ihre Bilder im Kopf, ihre Ansichten und ihre Gefühle. Es ist einfach klasse, wenn alle Beteiligten etwas „gedanklich mit nach Hause nehmen“ können. Deine Titel sind Wortspielereien und an sich schon künstlerisch wertvoll. Was willst du damit bezwecken? Die meisten Spiele leben von der Ambition zu gewinnen. Spielt man mit Worten, besteht der Gewinn im erfolgreichen Transport von Informationen. Wenn sich Worte ineinander verschlingen und sich in Kombination mit dem Werk zu neuer Meta-Bedeutung aufschwingen, dann ist das eine Inspiration, bisherige Gedankenpfade verlassen zu können. Kurz: Die Titel und Untertitel irritieren, regen zu Assoziationen an, verbinden Wort und Bild zu etwas Neuem, welche uns zu neuen Gedanken inspiriert.

Du lebst und arbeitest in Wuppertal mit deiner Frau und zwei Kindern. Welche Rolle spielt deine Familie in deinem Leben?

Meine kleine Familie ist mir extrem wichtig. Sie gibt mir Zukunft, Sinn und Kraft. Sie toleriert auch meinen relativ unregelmäßigen Lebenswandel.

Hast du eine Lebensphilosophie?

Das Gleiche wie viele andere auch: die Welt vielleicht ein kleines bisschen besser, verständlicher und schöner machen zu dürfen. Welche Wertvorstellungen und Ideale legst du deinem Lebensweg zu Grunde? Werte beschreiben Ideale. Und Ideale werden naturgemäß schon so hoch gehängt, dass sie niemals ganz erreichbar sind. Also sage ich hier einmal ganz vorsichtig: meine liebsten Ideale sind die Wahrheit (hier helfen keine Kompromisse), der Mut und die Achtsamkeit.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Irgendwann einmal möchte ich mit 100 Jahren mit meiner Frau auf einem kleinen Weingut in der Toskana umringt von vielen Urenkeln sitzen, und das Gefühl haben, alle meine Ideen umgesetzt zu haben. Aber letzteres bleibt wahrscheinlich nur eine Illusion.

Wir wünschen dir interessante Erlebnisse auf dem Weg dahin und bedanken uns für das offene Gespräch!

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