das Kultur und Nachrichtenmagazin

Monatskalender

museum ludwig.jpg 

Ausstellung "Lucia Moholy. Fotogeschichte schreiben"

Samstag, 7. Dezember 2019
10:00-19:00 Uhr

Als iCal-Datei herunterladen

   

Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums widmet sich das Museum Ludwig mit einer kleinen Präsentation im Fotoraum der Fotografin und Fotohistorikerin Lucia Moholy. In diesem Rahmen werden auch drei neuerworbene Vintage Prints von Lucia Moholy erstmals gezeigt. Neben ihren fotografischen Werken werden auch Briefe aus dem Archiv des Museum Ludwig präsentiert, die einen regen Austausch zwischen Moholy und dem Fotosammler und -historiker Erich Stenger belegen. Gemeinsam hatten sie um 1932 vor, ein Buch über die Geschichte der Fotografie zu schreiben. Der Aufstieg der Nationalsozialisten trieb Moholy jedoch in die Emigration, während Stenger in Deutschland zum gefragten Experten auf dem Gebiet aufstieg. Moholy veröffentlichte schließlich selbstständig in London 1939 A Hundred Years of Photography 1839–1939.

Ihr Buch wurde der erhoffte Kassenschlager und enthielt für seine Zeit Gedanken zur Fotografie, die radikal neu waren: Fotografie und Malerei wurden als zwei gleichwertige Wege beschrieben, beispielsweise „abstrakte Bilder“ herzustellen: „Fotografie wurde (...) von einigen abstrakten Malern als neues Medium aufgenommen, mit dem sie versuchten, ihrem Gefühl für Ausgewogenheit Ausdruck zu verleihen. Es sind der in Frankreich lebende Man Ray, und Moholy-Nagy in den USA. Sie griffen die Methode der ‚Fotogenischen Zeichnung‘ auf, entdeckt von Schulze 1727 und Fox Talbot vor 1834 bekannt, und wendeten sie auf spezielle Weise an. (...) Die Frage, ob die Fotografie irgendeinem Einfluss der abstrakten Kunst unterworfen worden sei, stellt sich aber nicht in Bezug auf diese Bilder. Es war ein Prozess der Angleichung, nicht der Beeinflussung.“

Lucia Moholy selbst hatte als Fotografin Fotogramme (die auch als fotogenische Zeichnung bezeichnet werden) entwickelt und diese Technik ihrem damaligen Partner, dem Maler und Bauhaus-Lehrer László Moholy-Nagy, nahe gebracht. Ein Fotogramm ist eine kameralose Fotografie, bei der Objekte auf lichtempfindliches Papier gelegt und belichtet werden. Ihr Schatten bleibt auf dem Papier als helle Fläche zurück. Als (Kunst-)historikerin führte sie das Verfahren auf frühe fotografische Experimente zurück, wie Johann Heinrich Schulzes Entdeckung der Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen im 18. Jahrhundert oder William Henry Fox Talbots erste Fotogramme aus den 1830er Jahren. Das heißt, sie fand die Wurzel fotografisch-kreativen Arbeitens bereits in der Vorgeschichte der Fotografie, was den zeitgenössischen Werken noch mehr Gewicht – eine Tradition – zusprach. Außerdem beschrieb sie Fotogramme als gleichwertig zu abstrakten Tendenzen in der Malerei.

Wie zukunftsweisend Moholys Fotogeschichte damit war, zeigt sich besonders im Vergleich zu dem Buch Die Photographie in Kultur und Technik. Ihre Geschichte während hundert Jahren von Erich Stenger. Für ihn war die Fotografie vor allem eine Technik, die auf vielen Gebieten Anwendung fand, nicht aber eine Möglichkeit kreativen Ausdrucks. Er schrieb über das Fotogramm: „ Wenn man sich begnügt, die Licht-Schatten-Verteilung irgendeines in einem Lichtkegel befindlichen Gegenstandes bildmäßig festzuhalten, den Gegenstand also nur in seinem Schattenriss, nicht als photographisches Bild, wiederzugeben, so gelangt man zum ‚Photogramm‘ (...). Es entstanden gelegentlich spielerisch reizvolle Schattenbilder in dieser ‚kameralosen‘ Betätigung, die mit der objektiven Lichtbildnerei nichts gemein hat.“ Stengers ironischer, um nicht zu sagen herablassender Ton und sein konservativer Kunstgeschmack, machen es schwer, sich eine gemeinsame Fotogeschichte von ihm und Lucia Moholy vorzustellen. Umso überraschender ist die Erkenntnis, dass sie darüber nachdachten.

Grundlage ihrer beider Forschungen war die Sammlung Stenger, die heute als Teil der Sammlung Agfa im Museum Ludwig verwahrt wird. Hier sah Moholy frühe Fotogramme von Talbot, von denen eines in der aktuellen Präsentation gezeigt wird. Durch Erich Stenger erfuhr Moholy auch von Johann Heinrich Schulzes frühen Experimenten. Während Stenger die Verbindung zu den „reizvollen Schattenbildern“ seiner Gegenwart nicht gelang, spannte Moholy den großen Bogen. Ein Grund mehr, ihre Geschichte im Museum Ludwig zu würdigen.

Lucia Moholy. Fotogeschichte schreiben
12. Oktober 2019 – 2. Februar 2020

Kuratorin: Miriam Szwast
Web und Social Media
Zur Ausstellung kommuniziert das Museum Ludwig auf seinen Social-Media-Kanälen mit dem Hashtag #MLxMoholy
Facebook/Instagram/Twitter/Vimeo: @MuseumLudwig – www.museum-ludwig.de

 

Ort 

Museum Ludwig

Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Deutschland NRW
0221-221-26165
http://www.museum-ludwig.de 

Anfahrt und Karte (klicke auf Symbol)

Veranstaltungsort:  Beschreibung Anfahrt Info mehr...
andere: Kunst und Kultur
mehr aus: Köln
weitere von:
Museum Ludwig

Teilen

 

 zum Kalender

 

You have no rights to post comments

Datenbank von lebeART

weitere Beiträge

Event-Tipp

07.02.2021 GRENZGANG präsentiert: Live-Stream „Island – Sinfonie des Lichts“ mit Stefan Erdmann

GRENZGANG Presse Island 2Ganz allein im isländischen Hochland zu sein, umgeben von atemberaubender Natur und unbegrenzter Weite ist ein elementares Erlebnis, das den Naturfilmer Stefan Erdmann mitten ins Herz trifft! Fast 30 Mal kehrt er zurück. Island beschenkt ihn dafür...


weiterlesen...

Paul Kalkbrenner veröffentlicht neue Single “Graf Zahl“

graf zahl kalkbrennerIn seiner Kindheit in Ostdeutschland hatte Paul Kalkbrenner das große Glüch, Zugang zum West TV zu haben, wo er in den Genuss kam die „Sesamstraße“ mit seinem Bruder Fritz täglich anzuschauen.

„Graf Zahl“ ist Kalkbrenners neuester Release, ein sti...


weiterlesen...

USA: Designierter Präsident Biden muss Versprechen einlösen, Gefangenenlager Guantánamo zu schließen

amnesty logoNoch immer werden 40 Menschen in Guantánamo unter dem Vorwand des „globalen Krieges gegen den Terror“ festgehalten. Ein neuer Amnesty-Bericht dokumentiert eine Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen an den Gefangenen – darunter Folter, Verschwind...


weiterlesen...

Prof. Birgit Mager erhält internationalen Designpreis Auszeichnung für herausragende Design-Ausbildung

TH KölnProf. Birgit Mager von der Köln International School of Design (KISD) der TH Köln erhält die „Sir Misha Black Medal 2020“, die für herausragende Leistung in der Designausbildung verliehen wird. Mit dem Preis werden Lehrende geehrt, die die Ausbild...


weiterlesen...

Halbjahresbericht über Zweckentfremdung von Wohnraum

stadt Koeln LogoBericht wird dem Ausschuss für Soziales und Senioren vorgestellt

Vom 1. Januar bis 30. Juni 2020 wurden mehr als 315 Wohneinheiten im Rahmen eines Wiederzuführungsverfahrens untersucht. Das ist ein Ergebnis des neuen Halbjahresberichts zur Wohnrau...


weiterlesen...

weitere Informationen

Event-Tipp

09.02.2021 Wohnprojekte als Mietmodell - Ankerprojekte im Veedel (Online-Gespräch)

eine StundeDer Verein LemAn e.V. – Leben mit Anderen – und Sahle Wohnen berichten

„Jeden Dienstag 19 Uhr - eine Stunde Baukultur“ #539 Online-Gespräch

Ein gemeinschaftliches Wohnprojekt auf Mietbasis ist der Wunsch vieler Wohnprojekte in Köln. Der Verein Lem...


weiterlesen...

SONO & RAFAEL CERATO - ON MY MIND

Cover Sono  Rafael Cerato   On My Mind minMit seinem Überhit „Keep Control“ hat das Hamburger Elektro-Trio SONO Geschichte geschrieben. Unzählige Male hat der minimalistisch Song Platz den Weg in Playlisten und Sets gefunden und nationale sowie internationale Hitlisten geentert. In Amerik...


weiterlesen...

Porz wird Karnevalshochburg: Brings, Kasalla, Rabaue und die Swinging Funfares treten im Autokino auf

Brings Autokino Porz Foto Martin Sundara honorarfreiKöln, 14. Januar 2021 – Corona macht es möglich. Das Autokino in Porz wird zur Karnevalshochburg. Die tollen Tage heißt die Veranstaltungsreihe, die von Brings ins Leben gerufen wurde. „So ganz muss man nicht auf den Karneval verzichten“, sagt Bri...


weiterlesen...

PAUL ELSTAK & OUT OF COOKIES FEAT. RENAE - CALL HOME

Cover Paul Elstak  Out Of Cookies feat. Renae   Call HomeAm 15. Januar 2021 startete Happy Hardcore Urgestein DJ Paul Elstak mit seiner neuen Hymne CALL HOME ins neue Jahr!

Verstärkung hat er sich hier von Out Of Cookies und Renae geholt! CALL HOME strahlt mit dem charakteristischen 90er-Sound eine abso...


weiterlesen...

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.