Geschrieben am . Veröffentlicht in Kunst und Kultur in Köln.

in focusgalerie - Magie der Photographie #17

17Unsere erste Begegnung mit Ben J. Fernandez in New York war rückblickend recht amüsant. Wie so viele Künstler vor und nach ihm, bot er uns für unseren einwöchigen Aufenthalt das Haus seiner Mutter in Hoboken, vis à vis zu Manhattan, als Übernachtungsstätte an. Wir waren über seine Offerte sehr glücklich, besonders als wir das wunderschöne, alte Haus erblickten. Aber, beim Aufschließen, bemerkte Ben ganz nebenbei, dass das Haus „under construction“, also eine Baustelle, sei. Wir teilten uns ein Zimmer mit zwei Katzen und ihrer Katzentoilette und unsere einzige Waschgelegenheit war das Miniwaschbecken im Gäste-WC. Wir fühlten uns sehr an das berühmte Bild von Willy Ronis erinnert, an dem seine Frau sich ebenso an einem Kleinstwaschbecken erfrischt. Leicht geschockt, besuchten wir Ben noch am selben Tag in seinem Zuhause und merkten schnell, wie gut wir es doch hatten, dass er uns nicht bei sich einquartiert hatte. Denn er wohnte nun schon seit Wochen mit seiner Frau und seiner an Demenz erkrankten Mutter in einer halben Ruine. Seine Mutter hatte das Heim versehentlich in Brand gesetzt und solange die Versicherung noch kein Gutachten erstellt hatte, konnte Ben auch nicht mit dem Wiederaufbau beginnen. Plötzlich schätzen wir unsere Unterkunft in Hoboken doch bedeutend mehr.

Dass Ben ein warmherziger und großzügiger Mensch ist, zeigte sich noch bei einer weiteren Begebenheit. Bei der Sichtung seines Werkes in seinem Atelier fragte er uns, ob wir Interesse daran hätten Lisette Model kennenzulernen. Natürlich hätten wir gerne die Bekanntschaft dieser großartigen Fotografin gemacht, aber war sie nicht schon lange verstorben? Wir waren einigermaßen irritiert. Dann lachte Ben und führte uns zu einem kleinen Karton mit seiner Adresse versehen, Absender war ein Bestattungsunternehmer. Er erzählte uns, dass, als seine gute Freundin Lisette verstarb, ihr Atelier in Höchstgeschwindigkeit leergeräumt und alles von Wert seine neuen Besitzer gefunden hatte. Aber niemand, kein Verwandter, keine Freunde, kein Galerist, kein Sammler wollte dem Bestattungsunternehmer die Einäscherung bezahlen und die Asche an sich nehmen. So nahm sich Ben ein Herz, beglich die Rechnung und stellte die sterblichen Überreste von Lisette Model in sein Regal. Diese Geschichte berührte uns sehr, machte uns aber auch traurig.

(Photographie oben: "poor peoples campaign, Memphis 1968, stop racism" späterer Print, Silbergelatine, 22,2 x 32,7 cm, gestempelt, signiert und datiert verso)

"Ben Fernandez entstammt der Periode einer intensivierten kreativen Photographie, die in New York und von dort aus in den letzten Dezennien international ausstrahlte. Sein Schicksal bestimmte der legendäre Alexey Brodovitch (1898- 1971), dem viele andere, wie die bedeutenden Porträt- und Modephotographen Richard Avedon und Irving Penn, die wesentlichen Impulse für ihre erfolgreichen Karrieren verdankten.

Nicht bloße Neugier, sondern sein Mitteilungsbedürfnis und das nach Erkenntnisvermittlung treibt den Photographen Ben Fernandez mit seinen ausgewählten Blicken in heimische und fremde Welten. Er beherrscht sein Medium so souverän, dass seine Photographien keines Kommentars bedürfen. Sie sind starke Dokumente einer außergewöhnlichen Persönlichkeit."
(L. Fritz Gruber)

Anfragen zu Arbeiten von Ben J. Fernandez oder für einen Besuchstermin können Sie gerne telefonisch oder per Mail an arnold@infocusgalerie.com stellen.

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