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Generaldirektor National Commission for Museums and Monuments besucht RJM

stadt Koeln LogoRückgabe von Benin-Hofkunstwerken aus Deutschland an Nigeria wird konkreter

Professor Abba Tijani, Generaldirektor der National Commission for Museums and Monuments (NCCM) Nigeria, hat am Dienstag, 28. Juni 2022, erstmals das Rautentstrauch-Joest-Museum (RJM) besucht, um sich noch vor der Unterzeichnung der politischen Erklärung zu den Benin-Bronzen zwischen Nigeria und Deutschland die viergrößte Sammlung von Benin-Hofkunstwerken in Deutschland in der Ausstellung "I MISS YOU. Vom Vermissen, Zurückgeben und Erinnern" anzuschauen.  

Bei einem gemeinsamen Gespräch mit dem Kulturdezernenten der Stadt Köln, Stefan Charles, und der Direktorin des Rautenstrauch-Joest-Museums, Nanette Snoep, über Formen der zukünftigen Zusammenarbeit des RJM mit der NCCM betonte Prof. Abba Tijani, dass er sich freue, die Benin Werke wieder ins Bewusstsein der jungen Menschen in Nigeria zu bringen, nachdem mehrere Generationen über 100 Jahre lang von diesem wichtigen Teil ihrer Geschichte getrennt waren.

Nanette Snoep sieht insbesondere eine Chance, die junge afrikanische Diaspora in Köln und NRW mit den jungen Menschen in Benin-City in Verbindung zu bringen.  

Die Restitution dieses für Nigeria so wichtigen kulturellen Erbes wird nun immer konkreter und die Stadt Köln zeigt damit, dass sie den Dekolonisierungsprozess und die Auseinandersetzung mit ihrem kolonialen Erbe ernst nimmt, so Oberbürgermeisterin Henriette Reker zur bevorstehenden Unterzeichnung der politischen Erklärung zu den Benin-Bronzen zwischen Nigeria und Deutschland.

Das Unrecht zu benennen, transparent zu machen und zu erforschen, welche geraubten Kulturgüter sich in der Sammlung befinden, ist die Voraussetzung für den Aufbau eines neuen Verhältnisses mit den Nachfahr*innen im globalen Süden.   

Der Rat der Stadt Köln hatte in seiner Sitzung am Donnerstag, 3. Februar 2022, beschlossen, die Verwaltung zu beauftragen, die Rückgabe von Benin-Hofkunstwerken an die Bundesrepublik Nigeria in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt und dem Staatsministerium für Kultur und Medien vorzubereiten.  

Im Bestand des Rautenstrauch-Joest-Museums befinden sich 96 Benin-Hofkunstwerke aus Nigeria, die 1897 von der britischen Armee aus dem Königspalast des Königreichs Benin, das im heutigen Nigeria liegt, geraubt wurden. Die britische Armee nahm den Königspalast ein, plünderte ihn und brannte ihn schließlich nieder. Die Briten sahen ihre Kriegsbeute als Reparation für die Kosten dieser sogenannten Strafexpedition an und verschleppten sie nach London. Ab Sommer 1897 wurden die geraubten Hofkunstwerke sukzessive in europäischen Auktionshäusern versteigert oder blieben im Privatbesitz der britischen Soldaten, die sie später auch auf dem Kunstmarkt verkauften. Die 96 Hofkunstwerke, die sich heute im RJM befinden, gelangten über Sammler*innen mit bürgerschaftlichem Engagement für die Stadt Köln sowie über diverse andere Zwischenerwerber zwischen 1899 und 1967 durch Schenkungen sowie Ankäufe in die Kölner Museumssammlung.  

Für die nigerianische Gesellschaft haben die Benin-Hofkunstwerke eine große historische, spirituelle und identitätsstiftende Bedeutung. Das Königtum Benin, seine traditionellen Herrschaftsstrukturen und sein kulturelles Erbe spielen in Nigeria auf politischer und spiritueller Ebene bis heute eine sehr wichtige Rolle. Das Edo-Volk des Benin-Königreichs, eines der wichtigsten afrikanischen Königreiche in der Geschichte des Kontinents, hielt mittels seiner Hofkunstwerke über Jahrhunderte hinweg alle wesentlichen Geschehnisse im Königtum fest: die Entstehungsgeschichte des Königreichs, die verschiedenen Epochen, königliche Festakte und Feierlichkeiten, wichtige Ereignisse, Kriege und Kriegsherren, Verdienste und Taten der König*innen. Die Hofkunstwerke hatten zudem sakrale Funktionen und waren die Verbindung der Könige zu ihren Vorfahren. 1897 wurden somit das gesamte identitätsstiftende königliche historische Archiv und die Reliquien des Königtums Benin von den Briten geraubt.  

Seit 2021 gibt es unter Federführung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland intensive Verhandlungen mit Vertreter*innen aus Nigeria, die die Rückgabe von Benin-Hofkunstwerken aus deutschen Museen zum Gegenstand haben. Das Rautenstrauch-Joest-Museum als Museum mit der viertgrößten Sammlung von Benin-Hofkunstwerken in Deutschland begleitet diesen Prozess ebenso wie Vertreter*innen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, des Museum am Rothenbaum Hamburg und des Linden-Museums in Stuttgart.

Weitere Informationen sind hier abrufbar.

Quelle: Stadt Köln - Amt für Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitSabine Wotzlaw

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