das Kultur und Nachrichtenmagazin

Katja Zundel von Köln-InSight.TV im Gespräch mit Gudrun Schön-Stoll, Malerin & Poetin aus Ladenburg

GudrunLiebe Frau Schön-Stoll, Ihre biografischen Etappen sind vielfältig. Was prägte und inspirierte Sie auf Ihrem Weg?

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, so muss ich zugeben, dass ich im Gegensatz zu vielen Kolleginnen und Kollegen weder ein gesteigertes Maß an zeichnerischen, oder malerischen Aktivitäten, noch am Schreiben von Gedichten aufzeigte. Ich wuchs in einem sehr kleinen Dorf, nahe der Schweizer Grenze, in einer Arbeiterfamilie auf. Meine Eltern waren rechtschaffene und freundliche Menschen, doch Literatur, Malerei, oder Kunst im Allgemeinen standen nicht auf dem Tagesprogramm. Ich besuchte die Hauptschule und danach die Wirtschaftsschule. Beides mittelmäßig und ohne großen Erfolg. Im Anschluss arbeitete ich in der Schweiz als Hilfskraft in einer Firma für Büroartikel.

Kurz vor meinem zwanzigsten Lebensjahr kam mir der Gedanke, dass ich, was meine Zukunft anging, wohl besser eine Ausbildung machen sollte und so bewarb ich mich, da ich immer noch keinerlei klare Neigung hatte, für eine Ausbildungsstelle als Schreinerin, Gipserin, Bau-Malerin, Zahnarzthelferin, Dekorateurin und, und, und. Schlussendlich kam ich und dies nur durch Kontakte an eine Lehrstelle im Baugewerbe. Nach drei Jahren legte ich die Gesellenprüfung ab und war nun die erste Fliesen- und Mosaiklegerin am Hochrhein. Parallel hatte ich begonnen, mich mit der Malerei zu beschäftigen. Was der ausschlaggebende Punkt war, kann ich heute nicht mehr sagen. Meinen Mann Christoph lernte ich mit 22 Jahren kennen und kurz vor meinem 24. Lebensjahr heirateten wir. 1988 zogen wir nach Heidelberg und ich besuchte dort die Fachschule für Hochbautechnik, die ich in meinem Jahrgang als Beste abschloss. Die Malerei und die Kunst im Allgemeinen waren nun schon meine ständigen Begleiter. Dies jedoch ohne Kurse, sondern ausschließlich autodidaktisch, einzig mit Hilfe von Literatur und großer Neugier. Beruflich hatte ich nun eine Anstellung als Planerin und Bauleiterin in einem Architekturbüro. Mein Beruf, die neue Umgebung und die Nähe zu anderen großen Städten mit ihren Museen waren ein wunderbarer Nährboden für meine wachsende Wissbegierde.

Ungefähr im Alter von 30 Jahren bekam ich durch einen Bekannten die Information, dass man in Hessen mittels einer Prüfung für besonders befähigte Berufstätige auch ohne Abitur, oder Fachhochschulreife ein Studium absolvieren kann. Mittlerweile war mein Wissensdurst so groß, dass ich unbedingt studieren wollte. Bevor ich diesen Schritt machen konnte, meldete sich erst einmal ungeplant aber Gott sei Dank unsere Tochter Ira an, die ich mit 31 Jahren zur Welt brachte. Zwei Wochen nach ihrer Geburt absolvierte ich die Prüfung und erhielt so die Möglichkeit zu studieren. Da ich tief in meinem Inneren immer noch eine gewisse Unsicherheit spürte, gab ich meinen anfänglichen Plan, Kunst zu studieren, auf und schrieb mich für das Fach Innenarchitektur ein. Hierin sah ich die Verbindung zwischen dem, was ich schon erlernt hatte und einer zumindest herrschenden Verwandtschaft zur Kunst. Parallel dazu arbeitete ich immer noch in den Semesterferien, oder wenn es während des Semesters die Zeit ermöglichte, als Bauleiterin. Immer mehr wuchs das Verlangen in mir, zu malen und zu schreiben. Es war, als drängte sich endlich das mich tief Erfüllende in mein Leben.

Zwischenzeitlich hatte ich neben der figurativen und konkreten Darstellung die „fließende Geometrie“ entwickelt. Ein Verfahren, bei dem ich bis zu 12 Farbschichten auftrage und eine vormals klare geometrische Figur quasi zerfließen lasse.

Schon während des Studiums verkaufte ich erste Gemälde und nach Abschluss des Diploms wagte ich den Schritt in die berufliche Laufbahn als freischaffende Künstlerin. Möglich war dies durch die finanzielle Unterstützung meines Mannes. Denn, dass es anfänglich eher Geld kosten würde, war mir klar.

IMG 20180818 135305 358Erzählen Sie uns bitte über die „Eule“ in Ladenburg, wie kam es zu Konzept und Ausrichtung?

Meine erste große Einzelausstellung hatte ich 2002 im Wabenbau der ABB in Mannheim. 2004 kauften mein Mann und ich die „Eule“ in Ladenburg. Ein traumhaft schönes Haus aus der Gründerzeit, in dem bis dato ein französisches Restaurant beheimatet gewesen war. Ich hatte per Zeitungsannonce ein Atelier gesucht, weil der Raum in dem ich arbeitete, aus dem Rahmen platzte. Daraus wurde nicht nur mein Arbeitsplatz, sondern ein Domizil für mich und meine Familie. Im ehemaligen Restaurant, einem Raum im Art Deco Stil, richtete ich mein Atelier ein. Hier fanden und finden zahlreiche Events statt, zu denen ich auch Künstler aus dem Rhein-Neckar-Raum einlud, mit mir zusammen themenbezogene Ausstellungen zu machen. Das Konzept und die Organisation lagen bei mir. Ungefähr im Jahr 2006 fing ich an, zu meinen Gemälden lyrische Gedanken zu kombinieren. Im Vorfeld hatten Besucher immer wieder gefragt, wie und warum ein Gemälde entsteht und was ich dabei denke. Dies war meine Art, die Menschen in meinen gedanklichen Prozess einzubeziehen und die Reaktion der Betrachter war wunderbar.

Mein Leben bestand nun aus zwei Komponenten. Meiner wunderbaren Familie, zu der sich im Jahr 2003 noch unser Sohn Louis gesellt hatte und der Kunst, die mich erfüllte.

Zu den gut besuchten Ausstellungen im eigenen Raum gesellten sich Ausstellungen und Lesungen im Schloss Mannheim, im Kunstverein Murnau, im Westbahnhof Landau, oder im Lobdengau-Museum Ladenburg, um nur einige wenige zu nennen. Im Jahr 2011 wurde ich Sprecherin des Künstlerischen Beirates im neu gegründeten Kunstverein Ladenburg. Dort war ich maßgeblich als Organisatorin der Ausschreibungen und Ausstellungen tätig. Sämtliche Laudation zu den Vernissagen wurden auf Wunsch des Vorstandes von mir verfasst und gehalten. Leider ging die Auffassung, was ein Kunstverein zeigen sollte, zwischen mir und den weiteren Mitgliedern des Künstlerischen Beirates stark auseinander und so trat ich nach drei Jahren von meinem Amt zurück und widmete mich wieder ganz meiner Arbeit.

Zurückblickend kann ich sagen, dass ich sehr dankbar bin, als Künstlerin arbeiten zu dürfen. Mein Lebensweg deutete ja anfangs tatsächlich nicht darauf hin.

Frau Schön-Stoll, welche Projekte interessieren Sie gegenwärtig und warum?

Dazu muss ich ein wenig ausholen. Im Jahr 2018 hatte ich ein mir nicht klares Tief, was meine Arbeit anging. Ich stellte zwar aus, aber aus mir nicht erklärlichen Gründen fehlte mir die sonst gewohnte Kraft und Energie. Was auch immer ich anging, kostete große Mühe und hatte keine Leichtigkeit. Ende des Jahres erfüllte ich meiner Tochter einen großen Wunsch. Jahre vorher hatte ich ein Gemälde, auf dem unserer verstorbener Hund Nelson zu sehen war, verkauft. Für Ira war das traurig, denn sie mochte das Bild sehr. Im November begann ich ein großformatiges Gemälde, auf dem unsere Tochter mit Nelson in einer Strandsituation zu sehen sein sollte. Da ich im Dezember und Januar mehrere Wochen verreist war, sollte die Weiterarbeit im Februar stattfinden.

Anfang Februar erhielt ich die Diagnose „Krebs“. Es folgte eine sehr große Operation, bei der nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt werden konnte und eine darauffolgende, sehr anstrengende Chemotherapie. Ich bangte um mein Leben und hatte große Angst nie mehr in meinem Atelier arbeiten zu können. Es war für mich und meine wunderbare Familie eine sehr schwere Zeit. Gott sei Dank griff die Therapie gut und zerstörte nach und nach das Tumorgewebe. Als ich vier Monate nach der Diagnose, Anfang Juni dieses Jahres, wieder in der Lage war, in mein Atelier zu gehen und an dem im November begonnenen Gemälde weiter zu arbeiten, war dies wie ein Befreiungsschlag und als ich das Gemälde fertiggestellt hatte, war das Glück, das ich dabei empfand, nicht mit Worten zu beschreiben.

Ende Juli hatte ich meine letzte Chemotherapie. Der Schmerz und die große Angst, die durch die Operation und die Chemo in mein Leben getreten waren, hatte sich mit Beginn der Arbeit im Atelier stark verringert. Und auch für meine Familie war dies ein klares Zeichen dafür, dass die mir innewohnende Kraft wiedererwachte.

Meine nächste Ausstellung wird das Thema Kraft und Energie haben. In keinster Weise esoterisch angehaucht, sondern getragen durch ein großes Vertrauen in die Verbindung Geist & Körper und in die Zwischenmenschlichkeit. Was ich in meiner Krankheitsphase durch meine Familie, meine Freunde und neu in mein Leben getretene Menschen erfahren durfte, will Bild werden.

Im November werden mein Mann und ich wie immer zur Kunst-Biennale nach Venedig reisen. Mein Traum ist es, selbst einmal Teil der Biennale zu sein. Wir werden sehen:-)

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Liebe Katja Zundel, Sie werden verstehen, dass ich diese Frage mit nur einem Satz beantworten kann: Hoffentlich noch auf dieser Erde!

Atelier Schön-Stoll / www.schoenstoll.de

Quelle Text/Fotos: ©Katja Zundel / Köln-InSight.TV

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