DER KÖNIG DES GOLDES

gold_midasDer alte Silen war ein Pan (halb Ziegenbock und halb Mann), der dem Weingott Dionysos mit weisen Ratschlägen zur Seite stand. Hinter seiner grotesken Erscheinung verbarg sich ein tiefer und kluger Geist.

Eines Tages wurde er, während er schlief, von einigen Landbewohner aufgrund seines Aussehens festgenommen. Sie hatten Silen in Ketten stolz dem dortigen König Midas vorgeführt.

Midas erkannte die Natur des Pan sofort, befreite ihn und gab ihm zu Ehren große Feste und Ehrbezeugungen. Er bat ihn für den Irrtum der Landbewohner um Verzeihung. Der weise Silen verzieh ihm nicht nur, er wollte auch den mildtätigen Geist des Königs belohnen.

„Bitte um was immer du willst, ich werde es dir gewähren- sagte Silen - aber sei vernünftig bei deinem Wunsch, denn was ich dir gebe, kann ich nie wieder zurücknehmen."

Also bat Midas ihn um das, was er sich immer schon gewünscht hatte. Alles was er anfasse, möge sich in Gold verwandeln. Er erklärte: „Mein Königreich ist arm, aber meine Leute sind gütig und einig. Wenn ich reich wäre, würde soviel Mühe und Entbehrung mit Glückseligkeit belohnt: das ganze Königreich würde bald wieder durch die Gabe ihres guten Königs wohlhabend sein."

Sileno erfüllte Midas Wunsch und verschwand.

Auf der Stelle verwandelten sich die Kleider, die den Körper des Königs berührten in Gold.. Dann bereiste Midas sein Land und verwandelte die Häuser, die Teiche, die Ernte und die Tiere vor den erstaunten und dankbaren Augen der Landbewohner in Gold.

Als er aber in dieser Nacht in seinen Palast zurückkehrte stieg ein jammerndes Geschrei zu ihm auf... Die Untergebenen berichteten von wachsender Unzufriedenheit.

„Ich kann meine goldenen Ziegen nicht melken!" sagte einer, „deshalb wird meine Familie keine Milch mehr trinken und kein Fleisch mehr essen können."

„Die Bäume werden keine Früchte mehr tragen" riefen andere.

Und so erreichten den König immer wieder neue Klagen.

Midas der über die Lösung des Problems nachdachte, schenkte sich derweil Wein ein und wollte Essen und Früchte zu sich nehmen. Doch alles verwandelte sich in Gold und es gab weder Flüssigkeit, noch Nahrung, die er zu sich nehmen konnte.

In dieser Lage kam seine Frau um ihn mit Zärtlichkeiten zu beruhigen, aber sie verwandelte sich sofort in die schönste goldene Statue.

Midas bereute und rief Dionysos an die Zauberei des Silen zu beenden und der gute Gott verwandelte alle Dinge zurück.

Das Gold verschwand, die Ziegen wurden wieder zu Ziegen und die Teiche enthielten wieder Wasser; die Bäume wurden vom Wind geschüttelt und die Frau des Königs erwachte aus ihrem Schlaf. Midas konnte wieder essen und trinken und er dankte mit seinem Volk gemeinsam Gott, der ihnen wieder die Armut gewährt hatte.

Aus dem Forum der Neuen Humanisten: Einheit und Widerspruch

Foto: Karit Diary karit-art.de/cgi-bin/weblog_basic/index.php?p=19