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Messungen zeigen: Pestizide belasten die Luft in Südtirol

umwelzt pestizidePestizide aus der Landwirtschaft können sich unkontrolliert über die Luft verbreiten. Welche Stoffe sich wann und wo in der Luft befinden hat das Umweltinstitut München 2018 in der Südtiroler Region Vinschgau gemessen. Die Ergebnisse präsentierte die unabhängige Umweltschutzorganisation heute auf einer Pressekonferenz in Mals. Die Resultate weisen auf Schwachstellen im EU-Zulassungsverfahren hin – und auf eine starke Belastung der Luft in Südtirol, Europas größter Obstbauregion.

„Sechs Wirkstoffe haben wir noch auf über 1600 Höhenmetern in einem Seitental gefunden, mehrere Kilometer von den nächsten Obstplantagen entfernt“, erklärt Karl Bär, Referent für Agrarpolitik beim Umweltinstitut und Leiter des Messprojekts. „Schaut man in die Zulassungsberichte der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde, dann sollte das eigentlich unmöglich sein. Für vier dieser Stoffe kommt sie zu dem Schluss, dass sie nur in vernachlässigbaren Mengen in die Luft übergehen und sich dort schnell zersetzen. Diese Bewertung kann also offensichtlich nicht stimmen“, so Bär. Ein Messpunkt befand sich mitten in der Ortschaft Mals, die sich als europaweit erste Gemeinde 2014 in einem aufsehenerregenden Referendum für ein kommunales Pestizidverbot entschieden hat. Nach einem Gerichtsurteil im vergangenen Jahr darf aber auch im Malser Gemeindegebiet vorläufig weiter gespritzt werden. An dem Messpunkt in einem gut geschützten Garten mitten im Ort wurden zwölf verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen. Darunter waren auch in hohem Maße gesundheitsgefährdende Stoffe wie Captan oder Thiacloprid.

Zwei weitere Messstandorte befanden sich bei Bio-Betrieben im mittleren Vinschgau. Dort wurden von insgesamt 29 untersuchten Wirkstoffen 20 in der Luft gemessen. Die Belastung ist dabei um ein Vielfaches höher als in Mals. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie schwer die Bedingungen für Bio-Betriebe im Umfeld der intensiv bewirtschafteten konventionellen Apfelplantagen sind. Auch die Anwohnerinnen und Anwohner sowie Urlaubsgäste sind in der direkten Umgebung der Plantagen nachweisbar Belastungen ausgesetzt“, kommentiert Bär.

Eine Besonderheit der Untersuchung des Umweltinstituts ist der geringe Abstand zwischen den Probeentnahmen. Dadurch lässt sich der zeitliche Verlauf der Verbreitung der Stoffe durch die Luft nachzeichnen. Ein zentrales Ergebnis ist, dass es eine Dauerbelastung von Mensch und Natur mit Pestiziden gibt. Im Vergleich zur Betrachtung der einzelnen Wirkstoffe besteht im Gesamtbild eine erheblich höhere und über den Saisonverlauf andauernde Belastung und damit ein entsprechend höheres Gefahrenpotenzial. „Der Staat schützt unsere Gesundheit und unsere Umwelt nicht vor der Belastung durch giftige Pestizide. Das Zulassungssystem der EU macht unrealistische Annahmen über deren Verbreitung und ignoriert die Dauerbelastung sowie den so genannten Cocktaileffekt, durch den eine Kombination verschiedener Substanzen gefährlicher sein kann als der jeweilige Einzelwirkstoff“, kritisiert Bär. „Die Regeln, die beim Spritzen beachtet werden müssen, verhindern nicht, dass sich die Mittel in der Luft verbreiten. Und es gibt auch keine systematische Messung der Luftbelastung durch die Behörden. Der einzige Weg, um konsequent zu verhindern, dass unsere Gesundheit und die Umwelt weiter belastet werden, wäre, keine gefährlichen Pestizide mehr einzusetzen.“

Zusammen mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und dem unabhängigen Umweltbüro TIEM Integrierte Umweltüberwachung GbR wird das Umweltinstitut im laufenden Jahr an rund 200 Orten in Deutschland die Luft auf Pestizidrückstände untersuchen.

Weitere Informationen unter: www.umweltinstitut.org

Umweltinstitut München | Pressemitteilung vom 08. März 2019

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