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Giftiger Bohrschlamm: Was unternimmt Umweltministerin Scharf zur Sanierung von 170 Gruben in Bayern?

umweltUmweltorganisationen fordern Maßnahmen zur Sanierung von giftigen Altlasten der Öl- und Gasindustrie

München, 10. April 2016 – In einem offenen Brief an die Umwelt- und Wirtschaftsministerien von Bayern sowie weiteren Bundesländern fordert ein breites Bündnis von Umweltorganisationen Aufklärung über Anzahl und Standorte von Bohrschlammgruben und die zur Sanierung geplanten Maßnahmen. Zudem verlangt das Bündnis Aufklärung über verfügbare Deponiekapazitäten. Nach Recherchen von NDR und WDR gibt es Hinweise, dass in Bayern möglicherweise an 170 Orten giftige Bohrschlämme von Öl- und Gasbohrungen ohne ausreichende Sicherheitsmaßnahmen deponiert wurden. Bundesweit soll es 1400 solcher Bohrschlammgruben geben.

In der Vergangenheit wurde Bohrschlamm direkt an den Bohrplätzen abgelagert, obwohl es sich um gefährlichen Sondermüll handelt. Bohrschlamm enthält nicht nur zum Teil krebserregende Öl-Rückstände, sondern oftmals auch giftige Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen sowie radioaktive Stoffe.

In Niedersachsen wird bereits an einer Lösung dieses Problems gearbeitet. Dort soll es nach Schätzungen des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mindestens 500 Schlammgruben geben. Der Umfang der Altlasten ist erheblich: Nach Recherchen von NDR und WDR fielen bei der Sanierung von lediglich drei Gruben in Niedersachsen rund 720.000 Tonnen Giftmüll an. Dort gibt es nun ein Programm, das umfassende Untersuchungen der Verdachtsflächen vorsieht und eine Standortliste zugänglich macht. Hingegen ist unklar, welche Maßnahmen Bayern unternimmt, um Bohrschlammgruben zu erfassen und zu sanieren.

Die Autoren des Offenen Briefs befürchten eine Ausweitung der Öl- und Gasförderung – und damit auch der Mengen giftigen Bohrschlamms – falls im Bundestag das geplante Fracking-Gesetzespaket beschlossen würde. „Die Bundesländer sind mit einem massiven, seit Jahrzehnten verschleppten Entsorgungsproblem der Öl- und Gasindustrie konfrontiert“, erklärt Franziska Buch, Energiereferentin des Umweltinstitut München. „Dieses Problem muss jetzt gelöst werden, vor allem aber darf es nicht durch den Einsatz von Fracking noch unnötig vergrößert werden.“

Gerald Neubauer von Campact: “Umweltministerin Scharf muss sich jetzt energisch in Berlin für ein umfassendes Verbot von Fracking einsetzen. Sonst werden wir unseren Kindern und Enkeln immer größere giftige Altlasten hinterlassen.”

Unterzeichnet wurde der Offene Brief von Campact, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutscher Naturschutzring (DNR), Deutsche Umwelthilfe (DUH), Umweltinstitut München, BI Lebenswertes Korbach, Bürgerinitiative FrackingFreies Hamburg

Download: Offener Brief des Bündnisses

Quelle: www.umweltinstitut.org

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